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24 Stunden Licht – 24 Stunden Energie

... und das eine ganze Woche lang! Das ist für mich die Bilanz aus dem „Seelenkurs“ im Juli in Norwegen. Es ist schön zu sehen, wie sich die Tian-Gong-Retreats immer mehr zu einem Urlaub mit Energiearbeit entwickeln. Toll wie sich beides verbinden lässt! Die Atmosphäre wird von Kurs zu Kurs immer netter und entspannter, selbst für die Übungsleiter.

Allein der Ausblick vom Zimmer auf das Meer und die Fjorde war traumhaft. Unglaublich, vom Zimmer aus die Tümmler (die kleinsten Wale, etwa in Delphin-Größe) im Wasser beim Spielen beobachten zu können! Und einfach mal vor die Tür zu gehen und keine S-Bahn, keinen Verkehr, sondern nur das Rauschen des Meeres zu hören!

Die malerische Landschaft und die nicht untergehende Sonne haben nur einen Nachteil: Sie verleiten zu Spaziergängen bis in die Morgenstunden. Es ist schon merkwürdig, um Mitternacht mit der Freundin am Meer zu stehen, als wäre es erst früher Abend. Es scheint, als dürften wir hier die Zeit vergessen und sie wie in einem ewig langen Moment auskosten. Dazu lädt Norwegen geradezu ein! Man muss es nur am nächsten Morgen mit dem Seminarbeginn um 10 Uhr in Einklang bringen können...

Wie bei den meisten Retreats sind auch hier wieder kleine Wunder passiert. Bei einer Schiffstour durch die Fjorde ist es in Norwegern üblich, Fische zu fangen. So auch bei unserem Ausflug. Der Leiter der Schiffstour bot den Teilnehmern an, für sie Fische zu fangen. Da jedoch der Großteil der Teilnehmer Vegetarier waren und keinem Fisch schaden wollten, lehnten alle ab. Daraufhin wollte er wenigstens für sich Fische fangen. Doch viele der Teilnehmer, so auch Tianying und Tianping hofften und beteten insgeheim, dass keinem Fisch geschadet würde. Letzten Endes fing der Leiter der Tour tatsächlich nur einen Fisch. Das war für ihn sehr ungewöhnlich, da er eine wesentlich höhere Ausbeute gewohnt war. Und der eine Fisch war auch noch so klein, dass er ihn wieder ins Wasser warf mit der Bemerkung, er möge noch wachsen. 

Für auffallend viele Teilnehmer war das Retreat eine Konfrontation mit der eigenen Familiengeschichte. Einige stellten während des Retreats fest, dass ihre Väter oder Großväter genau in dieser Stadt in Norwegen im Krieg stationiert gewesen waren.

Auch die Zeiteinteilung des Kurses ergab eine schöne Mischung aus Zeit für sich selbst, Zeit für Qi-Gong-Übungen und Zeit für das Miteinander. Letzteres wurde vor allem durch das gemeinsame Kochen gefördert. Jeden Tag meldeten sich Freiwillige aus der Gruppe, die das Zubereiten des Mittag- und Abendessens übernahmen. Auch wenn das Ganze anfangs nicht ganz einfach zu koordinieren war, schaffte die gemeinsame Zeit in der Küche Platz, sich kennen zu lernen und ins Gespräch zu kommen. Schön, dass so etwas ohne Druck funktionieren kann! 

Ich selbst bin nicht nur als Teilnehmer, sondern auch als Helfer mitgefahren. Für mich war die Zeit dadurch geprägt, dass ich auf der einen Seite alle Hände voll zu tun hatte, dabei aber trotzdem viel Energie aufnehmen konnte. Auf der anderen Seite war es der erste gemeinsame Urlaub mit meiner Freundin. Dass sich für alles die Zeit fand, war eine sehr angenehme Erfahrung. 

Am Ende meinte eine Teilnehmerin sogar, dass sich die eine Woche mit Übungen, Seminar und Freizeit wie ganze zwei Wochen Urlaub angefühlt hätte. Ich selbst nehme viele schöne Erinnerungen und gute Erfahrungen aus Norwegen mit nach Berlin. Obwohl ich einen Teil des angebotenen Kursprogramms schon häufiger besucht hatte, habe ich immer wieder andere Aspekte der Energie, der chinesischen Kultur, des Karmas oder der Fremdinformationen kennen gelernt. Ich kann für mich die Erkenntnis mitnehmen, wie wichtig es ist, dass Meister einen an die wesentlichen Dinge erinnern, die im Alltag immer wieder verloren gehen. Ja, ich konnte wieder mal etwas dazu lernen. Nur eines habe ich in Norwegen nicht gelernt: Norwegisch. 

 

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